Gestütsbranche

Die Militärabteilungen in den k.k. Staatsgestüten, Hengstendepots, Hengstenstationen und Fohlenhöfen Österreich-Ungarns

 

 

Die Militärabteilungen in den k.k. Staatsgestüten 

 

 

Babolna

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Am 24. März 1868 wurde die Ausgliederung der Militärgestüte, Gestütswirtschaften und Militär-Hengstendepots aus der Verwaltung des Reichs-Kriegsministeriums beschlossen und deren Unterstellung an die betreffenden Zivilbehörde der beiden Reichshälften Österreich – Ungarns ausgesprochen.

Am 1. Jänner 1869 übernahm das k.k. Ackerbauministerium die Militärgestüte Radautz und Piber sowie die Militär-Henstendepots zu Nimburg, Brünn, Graz, Drohowyze und Ober-Wikow als K.k. Staats-Pferdezuchtanstalten. Das königlich ungarische Ackerbauministerium übernahm die Militärgestüte zu Mezöhegyes, Babolna und Kisber, sowie die Militär-Hengstendepots zu Stuhlweißenburg, Nagy-Körös und Sepsi-St. György als „königlich ungarische Staats-Pferdezuchtanstalten.

In den Staatsgestüten und angegliederten Hengstendepots und Hengstenstationen verblieben weiterhin die Militärabteilungen der k.k. bzw. k.u. Gestütsbranche für den Dientsbetrieb.


1891 waren 235 Staatshengste zum Deckeinsatz in privaten Händen und diese deckten 14.294 Stuten.

 

Offiziere in Reitdienstadjustierung

 

 

Die k.k. Gestütsbranche

bestand und ergänzte sich grundsätzlich nach den für das k.u.k. Heer bestehenden Vorschriften.

Die Stabsoffiziere und Oberoffiziere der Gestütsbranche ergänzten sich seit 1826 durch Übersetzung geeigneter Offiziere der kaiserlich königlichen Kavallerie und der Traintruppe. Einjährig Freiwillige wurden nicht aufgenommen.

Offiziere, welche diese Übersetzung anstrebten, mussten

a) bei der Truppe durch 3 Jahre als Offizier gedient haben, eine gute Qualifikation besitzen, ferner nachgewiesene Kenntnisse im Pferdewesen und eine ausgesprochene Neigung für die Verwendung in den k.k. Pferdezuchtanstalten aufweisen.

b) sich einer unter Vorsitz des Militärinspektors der k.k. Pferdezuchtanstalten am k.u.k. Militär-Thierarzneiinstitut in Wien abzuhaltenden kommissionellen Prüfung aus Fachgegenständen unterziehen und diese Prüfung mit entsprechendem Gesamterfolg ablegen.

c) Sich nach abgelegter Prüfung noch einer sechsmonatigen Probedientstleistung bei der Militärabteilung einer der k.k. Pferdezuchtanstalten unterziehen.

Die Prüfung umfasste folgende Gegenstände:

Anatomie des Pferdes, Physiologie und Zahnlehre
Diätetik (sprich Fütterung) allgemeine Tierzucht, speziell Pferdezucht und Geburtshilfe.
Exterieur des Pferdes, wobei auch auf die Gewährsmängel beim Kauf von Pferden im speziellen eingegangen wurde.
Hufbeschlagslehre in der Theorie
Reiten und Fahren in der Theorie und Praxis
Kenntnisse des Abrichtens (wie damals die Ausbildung genannte wurde) der Mannschaft im Reiten und Fahren.
Die Prüfung fand einmal jährlich und zwar in der letzten Woche des Monates Juni statt.

Die Mannschaft der k.k. Gestütsbranche, wir sprechen um 1900 von rund 100 Offizieren und 2.000 Mann, leistete ihre dreijährige Präsenzpflicht in den Pferdezuchtanstalten ab und wurde dann entweder in den Mannschaftsstand fix übernommen oder in die Reserve der Traintruppe versetzt.

Ein freiwilliger Eintritt war nicht vorgesehen, professionskundige Bewerber konnten sich jedoch über Antrag des betreffenden Kommandanten einer Militärabteilung, z.B. das k.k. Hengstendepot Stadl, mit spezieller Genehmigung des k.u.k. Reichs-Kriegsministeriums eingestellt werden.

 

Seidels Armeeschema 1908 zur Gestütsbranche (copyright m.lorenz)

 

Ein Leutnant der k.k. Gestütsbranche entsprach der XI Rangklasse und erhielt um 1895 rund 600 Gulden sowie 120 Gulden an sogenannter Subsistenz und wurde vom k.u.k. Kriegsministerium bezahlt.

Er hatte z.B. im Staats-Hengstenposten Troppau in Schlesien Anspruch auf 2 Zimmer, 1 Küche, 1 Dachbodenabteil und 1 Holzlage. Er hatte weiters Anspruch auf einen Offiziersdiener oder auf das entsprechende Äquivalent in Höhe von acht Gulden monatlich.

Der Schätzwert eines z.b. im k.k. Staatsgestüt Radautz gezogenen Hengstes betrug ca. 1.200 bis 2.000 Gulden, somit für einen Leutnant mit 600 Gulden Gage doch in weiter Ferne.

265.000 Gulden wurden im Jahr 1891 für den Ankauf von Stuten für die Staatsgestüte Piber und Radautz und den Ankauf von Landesbeschälern verwendet.

Das k.u.k. Ackerbauministerium wendete für die Pferdezucht (ohne Ungarn) im Jahr 1898 rund 1,7 Millionen Gulden auf.

k.k. Gestütsbranche 1895

 

 

 

 

 





 

Abbildung: Adjustierung der k.k. Gestütsbranche um 1895

Nach dem neuen Adjustierungs Reglement von 1908 wurden Kragen, Aufschläge und Passepoils nunmehr geändert und in krapprot gehalten.

k.k. Gestütsbranche 1908

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 Abbildung: Adjustierung der k.k. Gestütsbranche um 1908



Offizier der k.k. Gestütsbranche:

Tschako mit Rosshaarbusch zur Parade und schwarze Stockkappe wie die Stabs- und Oberoffiziere der Infanterie.

Waffenrock dunkelbraun, Kragen, Aufschläge und Passepoils aus krapprotem Tuch, 6 glatte gelbe Knöpfe, geschweifte Schoßtaschenpatten auf der Rückseite mit je 3 ebensolchen Knöpfen, goldene Achselspange.
Dienstbluse dunkelbraun, krapprote Parolis, goldene Achselspange
 

Reithose krapprot (wie Dragoner, Ulanen und Husaren, nicht helles blaugrau wie Artillerie)
Reitstiefel mit Dragonersporen.

Salonhose in dunklem blaugrau (schwarz) mit krapproten Tuchpassepoils
Stiefeletten mit Anschlagsporen.

Mantel dunkelbraun, Samtkragen mit krapproten Passepoils und 2 Reihen von je 6 gelben Knöpfen.

 

k.k. Gestütsbranche, Offiziers Pelzrock mit Kartuschkasten Riemen

 

Pelzrock dunkelbraun, ebenfalls mit 2 Reihen von je 8 gelben Knöpfen, geschweifte Schoßtaschenpatten auf der Rückseite mit je 3 ebensolchen Knöpfen.

Kavalleriesäbel, goldene Säbelkuppel und goldenes Porteepee.
Kartuschkasten und Riemen wie Dragonerofficiere.
Weiße und graue Handschuhe aus Leder, gestrickt oder gewirkt.

 

k.k. Gestütsbranche, Offizers Kartuschkasten

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unteroffiziere der Gestütsbranche

Tschako mit Roßhaarbusch zur Parade
Kappe in krapprot

Waffenrock dunkelbraun mit krapprotem Kragen und Aufschlägen, gelbe Achselschnur und gelbe glatte Knöpfe, Schoßtaschenpatten auf der Rückseite mit 2 Köpfen.
Dienstbluse dunkelbraun mit krapproten Paroli
Reithose krapprot
Reitstiefel mit Anschnallsporen
Mantel und Pelzrock dunkelbrau
Hosen blaugrau zum Ausgang
Stiefeletten zum Ausgang, mit Anschlagsporen
Kavalleriesäbel mit gelbem Porteppe

Gestütssoldaten der Gestütsbranche

wie Unteroffiziere, jedoch ohne Ausgangsadjustierung und der Kavalleriesäbel mit Handriemen aus Leder.

Gestütssoldaten als Csikós oder Fahrsoldat waren mit Hut, Winterkappe aus Pelz , Spenzer, Pelzrock und Stiefel ausgestattet. Csikòse hatten krapprote Reithosen ohne Verzierungen , Fahrsoldaten blaugraue Reithosen.


königlich ungarische Gestütsbranche 1895

 

Abbildung: Adjustierung der königlich ungarischen Gestütsbranche, 1895     

Adjustierungstafel, k.k. und k.u Gestütsbranche 1895

   

Abbildung: Adjustierungstafel k.k. und k.u Gestütsbranche, 1895