Gestütsbranche

Die Militärabteilungen in den k.k. Staatsgestüten, Hengstendepots, Hengstenstationen und Fohlenhöfen Österreich-Ungarns

 

 

Remontierungs Departement als Vorläufer der Gestütsbranche  

 

 

 

Die Kriege, die Österreich in den vergangenen Jahrhunderten gegen Türken, Franzosen und Preußen zu führen hatte, dezimierten regelmäßig den Bestand an Pferden, die in den kaiserlichen Kavallerieregimentern, der Feldartillerie und im Bespannungswesen benötigt wurden in erschreckendem Ausmaß. Die in den österr. Erbländern und Böhmen, Mähren und Schlesien größtenteils bäuerliche Pferdezucht war durch Krieg, Vorspanndienste aber auch Seuchen stark erschöpft.

 

Die ersten Maßnahmen der staatlichen Einwirkung auf die Pferdezucht erfolgte unter der Regierung Kaiser Karls VI. (1711-1740) des Vaters von Kaiserin Maria-Theresia. Das Motiv lag in der Beschaffung von Remonten für die Armee an welchen ein so intensiver Mangel fühlbar war, dass vorerst sogar die Ausfuhr von Pferden in fremde Länder bei Strafe verboten wurde.  

 


Die Kaiserliche Regierung erließ am 5. Jänner 1736 eine Verordnung, in welcher die Landesstellen beauftragt wurden, vorzusorgen, dass zur Hebung der Pferdezucht taugliche Deckhengste also Beschäler beschafft, starke Mutterstuten zur Zucht dem Land erhalten und dem zu frühen Einspannen der jungen Pferde vorgebeugt werden solle, damit das Geld für die Remonten im Land bleiben und dadurch dem Unterthanen zum besseren Auskommen zugute kommt.

Die darin ausgesprochenen Principien waren richtig, der Mangel an einheitlicher Leitung und eine genaue Vorgehensweise, wie das angestrebte Ziel zu erreichen war, nicht vorgegeben.

Am 13. August 1763, unter dem Eindruck des siebenjährigen Krieges gegen Preußen, das in einem klassischen Angriffskrieg das österreichische Herzogtum Schlesien größtenteils erobert und sich einverleibt hatte, erließ Kaiserin Maria-Theresia ein eigenhändig gezeichnetes Patent zur Hebung der Pferdezucht.
 

 

 

Die Einsetzung einer einheitlichen Leitung, die Beschaffung und Herausgabe tauglicher Hengste zum Beschäldienst, die Aufnahme der zur Zucht tauglichen Stuten in ein Register, die Sorge, dass denselben nur conforme Deckhengste zugeführt wurden und endlich die Eintheilung der Länder der Monarchie in Gestütsdistricte bewiesen, mit welcher Umsicht die Sache in die Hand genommen wurde.

Bis 1780 wurden bei den einzelnen Cavallerie Regimentern eigene Beschäler gehalten, die jeweils 30 bis 40 der besten und schönsten Stuten im März zugeführt wurden, dann bis zum zehnten Monat trächtig im Dienst belassen.

Die Trennung der Fohlen von den Mutterstuten erfolgte mit einem halben Jahr, bis zu einem Jahr verblieben sie bei den Regimentern anschließend wurden sie gesammelt nach Enyed in Ungarn verbracht. Die schönsten Hengste teilte man im dritten Lebensjahr in die Landgestüte ein, die besten Stuten und Wallachen gelangten in die Regimenter, die schlechteren wurden verkauft.
Diese als „Militärgestüte“ oder auch „Pferdezucht bei den Cavallerie-Regimentern“ bezeichnete Institution wurde im Jahr 1780 wieder aufgehoben. Grund waren die häufig kranken Fohlen, mangels geeigneter Stallungen und Pflege.

Zur Erleichterung des Verkaufes und Belebung des Pferdehandels wurde im Jahre 1767 die Abhaltung von Rossmärkten angeordnet.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Impulse erhielt die Pferdezucht unter Kaiser Josef II (regierend 1780-1790)  


Die im Jahre 1789 nach Wien einberufene Commission bestimmte, dass sämtliche in den Ländern der Monarchie vorhandenen Privatbeschäler einer genauen Untersuchung zu unterziehen sind. Die zum Beschäldienst tauglichen mussten mit einem Dreieckszeichen unter der Mähne, die untauglichem mit einer Null am hinteren linken Schenkel gebrannt werden.

400 Landesbeschäler waren in den Kronländern zur Zucht eingesetzt und zum Vorteil des privaten Züchters fixierte man einen Preis für vierjährige gesunde Pferde mit 120 Gulden für einen Kürassier Remonte, für Dragoner Remonten 105 Gulden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab 1788 wurden in den Ländern der Monarchie „Beschäl- und Remontierungsdepots“ errichtet. 1789 für Böhmen Schlosshof und Eckartsau, 1790 Kollnitz in Kärnten, 1793 Hatschein bei Olmütz, 1807 Meschen für Siebenbürgen, 1812 Olchowce für Galizien. Für die italienischen Provinzen wurde zu Crema ein Beschälerdepartment mit nahezu 100 Hengsten gegründet.
Gleichzeitig wurden in den österreichischen Erbländern und Böhmen, Mähren und Schlesien sogenannte „Militär-Zugbeschäler Divisionen“ geschaffen und der Hengstenbestand dieser Divisionen wurde aus dem In- und Ausland ergänzt. Die Beschälstationen wurden von Landgestüts- und Remontierungsoffizieren überwacht.

Gleichzeitig wurde angeordnet, dass bei Strafe von zehn Reichsthalern für die Belegung durch k.k. Hengste kein Sprunggeld angenommen werde dürfe. Diese Staatshengste verblieben bei den privaten Gestüten aufgestellt, wofür eine jährliche Vergütung von 30 Gulden bezahlt wurde.

Es wurde zur Belehrung der Kreisämter eine Instruction über die Behandlung der Hengste sowie die Auswahl der Stuten herausgegeben und der zu jener Zeit berühmte Hippologe, Prof. Wollstein, verfasste im Staatsauftrag 1780 eine Abhandlung über die Behandlung und Aufzucht der Fohlen. Dieses Druckwerk wurde in alle Sprachen der Monarchie übersetzt und in tausenden Exemplaren an private Pferdezüchter verteilt.

Wir sehen also, dass sich die kaiserliche Armee bis in diese Zeit nicht aus Staatsgestüten ihre Remonten holte, sondern größtenteils aus der bäuerlichen und herrschaftlich adeligen Zucht Remonten angekauft wurden, nunmehr aber bereits oftmals hervorgegangen durch staatliche Deckhengste in Verwahrung privater Züchter.
Im Jahr 1787 waren bereits 400 Staatshengste in den Ländern der Monarchie aufgestellt.

1783 wurde der Sammelplatz Kotzamm in der Bukowina für aus der Wallachei, der Moldau aber auch Bessarabien und der Ukraine angekaufte Remonten nach Waschkoutz und 1792 nach Radautz verlegt. Die offizielle Bezeichnung lautete nunmehr: Landgestüts- und Remontierungsdepartement in der Bukowina zu Radautz“.

1789 wurde das Gestüt zu Babolna in Ungarn mit vornehmlich spanischer Rasse und den Kavallerie Regimentern entnommene Stuten der Moldauer Rasse gegründet.

1790 wurde das Gestüt zu Kollnitz in Kärnten gegründet.
Hier gaben die schweren Kavallerie Regimenter Mutterstuten ab und von 1816 bis zur Auflösung 1862 in Ossiach die Zucht schwerer Kladruber Stämme und der Burgunder Rasse betrieben.

1792 begann sich das Gestüt Mezöhegyes mit 500 Bukowiner Stuten und 150 ausgewählten Kürassierstuten zu etablieren.

1795 wurde das Gestüt Hawransko in Böhmen gegründet, es wurden Lippizaner gezüchtet, jedoch 1816 nach den napoleonischen Kriegen wieder aufgelöst.

Ebenfalls 1795 wurde das Gestüt Nemoschitz in Böhmen gegründet, das 1830 aufgelöst wurde.

1798 wurde das Gestüt zu Piber bei Köflach in der Steiermark gegründet.

 

 

1853 wurde im ungarischen Kisber ein Gestüt begründet, das englische Vollblut wurde gezüchtet. Die Gestüte Berky, Babolna, Piber, Mezöhegyes und Lippiza gaben Stuten und Hengste ab.

Bei dieser Fülle an Neugründungen von Gestüten wurde größtmögliches Augenmerk auf Exterieur und bewiesene Leistungsfähigkeit gelegt.


Alle diese Gestüte führten den Namen Militärgestüte, ihre vornehmste Aufgabe bestand in der Produktion von Hengsten zur Zuteilung an die privaten und mittlerweile auch staatlichen Landes-Beschälanstalten und nur der zur Zucht nicht geeignete Nachwuchs und das überzählige Material gelangte als Remonte in die Reihen der kaiserlichen Armee.

Die Bezeichnung Militärgestüt rührte von der militärischen Organisation und der Leitung durch die oberste Militärbehörde her.

 

kaiserlicher Dragoner und Kürassiere, 1848

 

Österreichische Kürassiere, 1848  

 

Nach den napoleonischen Kriegen 1815, in denen 1411 Staatshengste als Beschäler eingesetzt waren , war eine Reorganisation der k.k. Militärgestüte unumgänglich.  

Große Verdienste erwarb sich hier der General der Cavallerie Heinrich Graf zu Hardegg.

Verwendet wurden Deckhengste aus den Hofgestüten Kladrub und Lippiza, den renomiertesten Zuchten Ungarns und Siebenbürgens, Holsteiner, Mecklenburger, Hannoveraner, aus Böhmen, Mähren, Dänemark, Russland, Türkei, Spanien, aus Neapel und England. Diese ließen zwar eine weiten Genpool zu, die Sichtung des Zuchtmaterials und eine einheitliche Zuchtrichtung war aber umso schwieriger.

 

 

 

Remontierungs Departement um 1820 

 

Arabische Hengste wurden 1816, 1825, 1827, 1833, 1836, 1843 und 1852 in den Ursprungsländern angekauft. Englische Hengste teils aus Norddeutschland, teils direkt aus England angekauft.
Die willkürliche Deckung auf der Weide wurde abgeschafft und an deren Stelle das Beschälen an der Hand eingeführt, die Gestütspferde schon im Fohlenalter gezähmt und handfromm gemacht, der Hufpflege eine sorgsamere Beachtung gewidmet, die Mutterstuten teils zur Arbeit herangezogen. Auch der tierärztliche Dienst wurde einer Reorganisation unterzogen.

Hier auf die einzelnen arabischen und englischen Zuchtlinien detailhaft einzugehen, würde den zeitlichen Rahmen sprengen – wir bleiben beim Thema der k.k. Gestütsbranche.   

   

Feldmarschall Josef Graf Radetzky de Radetz

 

Abbildung: Feldmarschall Josef Graf Radetzky de Radetz

 

Die Revolution 1848/1849 bedeutete eine schwere Zäsur. Teils mussten die Gestüte im tiefsten Winter ihre Standplätze verlassen andere ihr ganzes Zuchtmaterial zum kaiserlichen Heer abgeben. 21.000 Remonten konnten aufgebracht werden. Vornehmlich Siebenbürgen erlitt schwerste Verluste an Zuchtmaterial. 

 

 

 

 

 

 

Beschäl- und Remontierungsdepartement 1848

 

 

Abbildung: Beschäl- und Remontierungsdepartement um 1848

 

Nach diesen Revolutionswirren wurde wieder verstärkt am Aufbau der Pferdezucht gearbeitet und 1858 waren bereits 2.388 Staatshengste im Deckeinsatz, so z.B. 171 in Oberösterreich, Salzburg und Tirol, 314 in Mähren und Schlesien. 
 

Remontierungs Departement um 1850

 

Abbildung: Adjustierung Landgestüt- und Remontierungsdepartements um 1850


1851 wurde die Institution der Landesbeschäler aus staatlicher Zucht auch auf das Königreich
Ungarn ausgedehnt und in diesem Jahr das Beschäl und Remontierungsdepartement zu Stuhlweißenburg errichtet.


1857 folgte für Kroatien und Slavonien das Depot in Agram und

1860 Nagy-Körös für Ost-Ungarn

1865 wurden 7.607 Pferde und Fohlen auf das Gebiet der österr. Monarchie eingeführt aber 21.417 exportiert – wir sehen hier den rasanten Aufschwung, den die Pferdezucht genommen hat.

Jährlich wurden zu dieser Zeit rund 300 Hengste aus den Militärgestüten in die Provinzen gesandt.

 

Fanfarenzug Staatsgestüt Babolna

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Fanfarenzug Staatsgestüt Babolna)