Gestütsbranche

Die Militärabteilungen in den k.k. Staatsgestüten, Hengstendepots, Hengstenstationen und Fohlenhöfen Österreich-Ungarns

 

Staatsgestüte unter militärischer Leitung der k.k. Gestütsbranche bzw. der k. ungarischen Gestütsbranche um 1900 

 

 

(copyrigth Dokumentationszentrum altösterreichischer Pferderassen)

 

Das k.k. Staatsgestüt Piber

Westlich von Graz. Seit 1791 Militärgestüt und seit 1858 Staatsgestüt mit Lipizzanerzucht. 1867 Zucht von Anlo-Normänner und Norfolker mit wechselhaftem Erfolg, 1879 umgewandelt in ein Remontendepot, also der Zuchtbetrieb aufgelöst. Ab 1890 wieder als Pferdezuchtanstalt geführt und nach Vorbild des Gestütes Radautz und von dort übernommenen Pferdematerial in der Zucht von englisch-orientalischem Halbblut für den Militärbedarf erfolgreich. Nach dem Ende der Monarchie 1918 Konzentration auf die Lipizzanerzucht.

 

 

 



















Um 1900 waren 70 Mutterstuten, 60 Fohlen ,108 Hengste für das Gestüt und die Landeszucht sowie 25 Gebrauchspferde vorhanden.

Personalstand 1 Oberst als Gestütsdirektor, 1 Offizier, 1 Rechnungsoffizier, 1 Tierarzt, 2 Kurschmiede, 3 Wachtmeister, 1 Rechnungsunteroffizier, 2 Zugsführer, 5 Corporale, 4 Gefreite, 18 Gestütssoldaten, 3 Offiziersdiener, 10 Fuhrleute, 12 Csikose.

 

Stutengruppe



Das k.k. Staatsgestüt Radautz

Im östlichsten Kronland der Monarchie im Herzogtum Bukowina gelegen.
Entstanden aus einer bukowinischen Pferdesammelstelle, wo halbwilde Remonten aus dem Osten für ihre zukünftige militärische Verwendung vorbereitet wurden. Ab 1744 bestand auf der Domäne Waschkoutz eine Art Zuchbetrieb, da viele der angekauften Stuten trächtig waren, der 1792 zum „bukowinischen Landgestüt und Remontierungsdepot“ erweitert wurde. 

Zuchtziel war die Produktion eines edlen, mittelschweren und eines edlen leichten Reit- und Wagenpferdes in vier Zuchtgruppen auf Basis des englischen Blutes, der arabischen Rasse, der Lipizzaner und Huzulenrasse.

 























Um 1900 waren rund 1.200 Pferde vorhanden, davon 650 Stuten und 450 Hengste (vom Fohlen bis zum Elterntier) und 111 Gebrauchspferde.
Für den Wirtschaftsbetrieb waren 311 zivile Personen verantwortlich.


Personalstand war 1 Major als Gestütsdirektor, 6 Offiziere, 2 Tierärzte, 6 Kurschmiede, 7 Wachtmeister, 7 Rechnungsunteroffiziere, 5 Zugsführer, 8 Corporale, 13 Gefreite, 106 Gestütssoldaten, 7 Offiziersdiener, 12 Fuhrleute, 78 Csikose.
Zu Beginn des ersten Weltkrieges wurde Radautz evakuiert und die Pferdezucht in alle Winde zerstreut.












Das Hofgestüt Halbthurn-Mönchhof

1540 fand östlich des Neusiedler Sees das Gestüt der ungarischen Königinwitwe Maria eine neue Heimstätte, nachdem Budapest durch die Türken besetzt worden war.
1603 wurden vermehrt die spanische Rasse gezüchtet, 1652 das Gestüt nach Prag transferiert.
1717 wurde an die glanzvolle Vergangenheit angeknüpft und wieder Pferde für den Hof und die Spanische Reitschule gezogen. 30 Stuten aus dem Besitz des Grafen Harrach und 46 Stuten aus dem Hofgestüt Kladrub, sowie neun Stuten aus Lipizza bildeten den Grundstock.
Nach dem Tod Kaiser Karls VI., der an der Pferdezucht in seinen Hofgestüten großen Anteil nahm, wurde das Gestüt nach 1740 aufgelöst.

 

 











Das Hofgestüt Lipizza 

1580 im Triester Hinterland gegründet, unter Kaiserin Maria Theresia rund 200 Mutterstuten, 1792 erstmalige Evakuierung vor den Franzosen, 1802 durch ein Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen, 1805 erneute Evakuierung, 1809 fällt Triest an Frankreich, die Pferde werden nach Mezöhegyes verbracht, 1815 wurde das Hofgestüt Lipizza auf 1500 Hektar wieder erneuert.
1916 bei der Kriegserklärung Italiens wurde das Gestüt mit 300 Pferden nach Laxenburg bei Wien und Kladrub in Böhmen evakuiert und aufgelöst. Nach dem ersten Weltkrieg mußte ein Teil der Lipizzanerpferde an Italien abgetreten werden, die verbliebenen Pferde fanden im Gestüt Piber eine neue Heimstätte.


Das Hofgestüt Kladrub

1756 im Siebenjährigen Krieg vernichtet, der Pferdebestand wurde im bis 1826 aktiven Hofgestüt Koptschan weitergezüchtet.

1770 Neubau einer Gestütsanlage auf Kladrub, Züchtung von Kutschenpferden für den kaiserlichen Hof in Wien. Heute noch aktive Pferdezucht mit rund 400 Pferden.

Staatsgestüt Kladrub



Staatsgestüte im Königreich Ungarn



Das k.ungarische Staatsgestüt zu Kisbér

1853 auf dem durch seine Teilnahme an der Revolution von 1848 konfiszierten Gut des Grafen Kasimir Batthýany auf rund 7.000 Hektar gegründet. Rund 100 Vollblüter und
457 Halbblüter. Nach dem zweiten Weltkrieg Zucht von Rennpferden, dann aufgelöst.

 

 



Das k. ungarische Staatsgestüt Bábolna

1789 wurden rund 7.000 Hektar und Wirtschaftsgebäude aus dem Privatbesitz des Grafen Szapary um 450.000 Goldforint erworben und mit überzähligen Pferden des Gestütes Mezöhegyes bestückt. Mit kaiserlichem Dekret vom 29. Oktober 1806 zu einem selbständigen Gestüt gemacht und zu diesem Zeitpunkt mit 1 Offizier, 16 Mann, 2 Beschälern, 23 Fohlen, 210 Remonten und 2.026 Ochsen auch als Wirtschaftsbetrieb tätig. Bis zum heutigen Tag bestehendes und blühendes Gestüt.


 

 
Das k. ungarische Staatsgestüt Mezöhegyes

1784 auf rund 19.000 Hektar gegründet und mit 500 Bukowiner Stuten und 150 ausgewählten Kürrassier Stuten bestückt. Bis zum heutigen Tag aktive Pferdezucht „Mezöhegyeser Sportpferd“



Das k. ungarische Staatsgestüt Fogaras

1874 bei Alsó Szombatfalva im Zentrum Siebenbürgens im heutigen Rumänien gegründet.
Um 1900 mit rund 110 Mutterstuten und 9 Beschälern der ungarischen Lipizzanerrasse bestückt. Bis zum heutigen Tag aktive Pferdezucht im 1920 als Simbata de Jos umbenannten Gestüt mit 3.200 Hektar Landwirtschaft.  

 

 

Brände der k.k. und k. ungarischen Staatsgestüte

 

 

Brände der k.k. bzw. k. ungarischen Staatsgestüte